Besteht geringes Fieber über meherere Tage, oder kommt es wiederholt zu solchen Fieberphasen, so muss ein Kind nach einer versteckten Infektionskrankheit untersucht werden.
Bei kleinen Kinder kommt Fieber recht häufig vor. Fieber gilt als Anzeichen für eine Krankheit.
Für Eltern ist das oft ein Alarmzeichen. Die folgenden Informationen sollen Eltern und Betreuungspersonen dabei helfen, das Fieber im Kindesalter besser zu verstehen und im konkreten Fall geeignete Massnahmen zu treffen.
Fieber ist der häufigste Anlass für Eltern, mit ihrem Kind einen Arzt oder eine Ärztin
aufzusuchen. Fieber ist dabei nicht unbedingt mit einer schweren Erkrankung gleichzusetzen.
Fieber allein bedeutet auch keine Gefahr für das Gehirn. Meistens ist Fieber der Ausdruck einer Infektionskrankheit im Bereich der oberen Luftwege: zum Beispiel Grippe, Angina oder Mittelohrentzündung.
Die menschliche Körpertemperatur wird von einem speziellen Regulationszentrum (einer Art Thermostat) gesteuert, das sich im Gehirn befindet. Bei kleinen Kindern ist die Wärmeregulation noch nicht vollständig ausgebildet. Deshalb reagieren Säuglinge und Kleinkinder rascher mit Fieber als grössere Kinder und Erwachsene.
Verschiedene fiebererzeugende Substanzen von Infektionserregern (Viren, Bakterien) und Entzündungszellen (weisse Blutkörperchen) können das Temperatur-Regulationszentrum auf einen höheren Wert einstellen. Der Körper wird dadurch gezwungen Wärme zu erzeugen, was er durch Muskelzittern oder stärker mittels Schüttelfrost macht.
Die Körpertemperatur schwankt normalerweise zwischen 36.5 und 38.0 Grad Celsius
(gemessen im Enddarm).
Die Temperatur hängt dabei von verschiedenen Umständen ab:
Hier ist die Rede nur von neu aufgetretenem Fieber, also akutem Fieber.
Als chronisches Fieber werden wochenlange Fieberzustände bezeichnet. Diese sind oft
Hinweise auf verschiedenste, teilweise schwierig zu diagnostizierende Krankheiten und
benötigen oft eine längere Abklärung, zum Teil sogar im Rahmen eines Spitalaufenthalte
Akutes Fieber kann folgende Ursachen haben:
Mittelohrentzündungen, Angina, Grippe, "Erkältungen" mit Schnupfen und Husten, oder
Magen-Darm-Grippe.
Harnwegsinfekte (Blasenentzündungen, Nierenbeckenentzündungen)
Kinderkrankheiten (z.B. Drei-Tage-Fieber, Masern, Röteln, Mumps, Scharlach)
Hirnhautentzündung
Lungenentzündung
Blinddarmentzündung
und einige andere Entzündungen
Starke Sonneneinstrahlung
Ueberheizung der Wohnung
Zu warme Kleider oder zu warmes Bettzeug
Brechdurchfall
Zu wenig Trinken
Reaktion auf Impfung (etwa 6 Fälle auf 100 Impfungen)
Überempfindlichkeit (Allergie) auf Medikamente, Nahrungsmittel usw.
Fieber im Zusammenhang mit Zahnen (meist ist Zahnen keine Fieberursache, jedoch können
während des Zahnens leichter Viren in den Körper eindringen - und während Fieber wird auch
die Zahnbildung angetrieben.
Drüsenkrankheit (z.B. Ueberfunktion der Schilddrüse)
Störung im Gehirn (z.B. Hirnentzündung)
Bösartige Krankheit (z.B. Blut- oder Lymphknotenkrebs, Leukämie)
Falls eine der folgenden Situationen vorliegt, müssen Kinder mit Fieber sofort zum
Arzt oder allenfalls ins Kinderspital gebracht werden:
Für eine Behandlung von Fieber sprechen folgende Gründe:
- Fieber belastet Ihr Kind (Stoffwechsel, Kreislauf)
- Ihr Kind fühlt sich schlecht; sein Allgemeinzustand ist beeinträchtigt
- Fieberkämpfe können vorkommen und belasten den Körper
- Fieber kann gewisse Krankheitsprozesse verstärken, das Kind dadurch kranker machen
Gegen eine Behandlung von Fieber sprechen folgende Gründe:
- Fieberbehandlung kann die Diagnosestellung erschweren
- Fieber fördert gewisse Abwehrprozesse des Körpers
- Alle Medikamente, die wirken, können auch Nebenwirkungen verursachen
Falls das Fieber im Darm gemessen 39 Grad oder unter dem Arm gemessen 38.5
Grad übersteigt, sind Fiebermedikamente angezeigt. Zusätzlich sind aber immer
auch die untenstehenden kühlenden Massnahmen durchzuführen
Bei tieferen Körper-Temperaturen können allein kühlende Massnahmen ausreichen
Kühlende Massnahmen:
- Zimmertemperatur senken: Heizung zurückstellen, lüften
- Leichte Kleidung: z.B. nur kurze Hosen und T-Shirt
- Leichtes Bettzeug: kein Duvet und keine Wolldecke, nur Leintuch
- Mehr und regelmässig trinken: Kräuter- oder Kindertees, Trinklösung, Cola
- Kühlende Wickel: mit kühlem Wasser getränkte Tücher um Waden/Oberschenkel
dabei die Füsse freilassen. Wickel während ca. 20 min belassen.
- Kind mit lauwarmem Wasser abwaschen und mit nacktem Oberkörper und Beinen
trocknen lassen.
In hartnäckigen Fällen:
- Ventilator anstellen, auf Körper richten (Kind ohne Decke/Leintuch!)
- Vollbad einlaufen lassen, Temperatur knapp unter gemessener Körpertemperatur des Kindes (2-3 Grad Celsius weniger). Dann durch Zugabe von kaltem Wasser langsam um weitere 5 Grad Celsius abkühlen lassen. Badedauer: 10 Minuten.
Falls das Kind nicht zum Arzt gebracht werden muss und daher auch keine spezielle Therapie
erhalten hat, kann das Kind durch die Anwendung von fiebersenkenden Medikamenten behandelt werden.
Ausser wenn besondere Umstände vorliegen oder eine Unverträglichkeit besteht wird heute zumindest bei Säuglingen und Kleinkindern fast ausschliesslich der Wirkstoff Paracetamol eingesetzt. Diese Substanz gibt es in der Form von Zäpfchen (Suppositorien), Sirup, Sachets, Tropfen und Tabletten).
Wichtig ist die richtige Dosierung! Oft werden zu schwache Zäpfchen gebraucht, weil seit dem letzten Fieber das Kind mehrere Kilogramm schwerer geworden ist.
- Dafalgan, Panadol, Tylenol, Acetalgin, Ben-u-ron, und andere
Richtige Dosierung: 12 bis 20 mg pro Kilogramm Körpergewicht.
Beispiele:
| Körpergewicht 4 kg | Dosis 60 mg pro Anwendung |
| Körpergewicht 8 kg | Dosis 125 mg pro Anwendung |
| Körpergewicht 12 kg | Dosis 150-200 mg pro Anwendung |
| Körpergewicht 16 kg | Dosis 250 mg pro Anwendung |
| Körpergewicht 20 kg | Dosis 300-350 mg pro Anwendung |
| Körpergewicht 30 kg | Dosis 500 mg pro Anwendung |
Diese Dosis wird alle 6-8 Stunden wiederholt.
Meist ist es besser, die Fiebermedikamente regelmässig anzuwenden, andernfalls kommt es immer wieder zu Fieberzacken mit unter Umständen Fieberfrösten, was das Kind zusätzlich schwächt.
Meist ist es auch nicht vorteilhaft, Fieberzäpfchen nur "auf die Nacht" zu geben, da sich da tagsüber durch das Fieber gedämpfte Kind plötzlich viel besser fühlt und gerne das tagsüber Verpasste nachholen möchte (die Eltern meist aber nicht....).
In den ersten sechs Lebensjahren kommt es bei ungefähr drei bis vier Prozent aller Kinder zu
Fieberkrämpfen, und zwar meistens nur einmal, in seltenen Fällen aber häufiger.
Das Kind ist dabei "abwesend", oft sehr blass, macht meist wirre Bewegungen mit Armen und oder Beinen. Meist dauert der Anfall wenige Minuten, wonach das Kind in einen tiefen Schlaf verfällt.
Diese Krämpfe sind praktisch immer harmlos, und ein Übergang in eine eigentliche Epilepsie ist ausserordentlich selten. Trotzdem brauchen alle Kinder mit Fieberkrämpfen ärztliche Betreuung. Nur der Arzt kann entscheiden, ob es sich beim Anfall um einen "normalen" Fieberkrampf handelt, oder ob das Kind aufgrund einer anderen Krankheit einen Krampf hat.